Meine
persönliche Biographie von Claudia
Dieser
kurze Überblick über Claudias Tenniskarriere basiert auf meinen Erlebnissen
auf Tennisturnieren rund um die Welt, von 1977 bis heute und meinen Erfahrungen
und Geschichten mit Claudia und ihrem Leben selbst seit 1981.
Natürlich
kann ich nicht in jedes Detail gehen, denn bei mehr als 200 besuchten Turnieren
ist das unmöglich, aber ich hoffe, der folgende Abriss macht meinem geschätzten
Leser ein wenig Freude.
Kitzbuehel
1980
1980
besuchte ich das hübsche Städtchen Kitzbühl in Österreich, und wie wenig
wusste ich damals, wie sehr das dortige Turnier mein Leben verändern sollte.
Claudia spielte zuerst gegen Heidi Eisterlehner (Deutschland) auf einem ruhigen
Nebenplatz und ich sah hier ihre Vorhand und, natürlich, dieses Lächeln...
Ihre Doppel spielte sie zusammen mit Eva Pfaff, die das Endspiel [SINGLES?] ohne
Ballberührung gewonnen hatte, und Claudia war zurückhaltend, ja schüchtern während
Eva viel mehr zur Sache ging und jeden Augenblick des Spiels genoss. Claudia
gewann das Turnier in Kitzbühl im nächsten Jahr gegen Sylvia Hanika.
Ich
sah Claudia erst in
Brighton
wieder, wo sie zwar gegen
Virginia Ruzici (Rumänien) verlor, aber mit ihren eleganten GROUND STROKES,
ihrer mächtigen Vorhand und der sauber geschnittenen Rückhand, die ihr in den
kommenden Jahren große Erfolge bescheren sollten, sehr beeindruckte. Sie war
eine der wenigen Spielerinnen, die ihren Rückhandvolley mit regelmäßiger
Akkuratheit ausführte.
Surbiton
Das
nächste Mal, als ich sah war in Surbiton, einem kleinen Turnier in
England
, direkt nach den French Open
(wo Claudia in der ersten Runde gegen Chris Evert verlor). Es war schön sie
wieder zu sehen – sie war immer mit Bettina Bunge zusammen, hatte immer ihren
Spaß, auch wenn sie gegen die Amerikanerin Kim Sands verlor. Danach kam
Eastbourne
, und damals war
Eastbourne
das “Mekka” sowohl für
Spieler als auch für Fans, das freundliche Turnier mit der Superatmosphäre,
der netten Stadt, und – wie jeder weiß – der besten Spielerparty des Jahres.

Eastbourne
Eastbourne
hat diese tolle Stimmung und
es kommen die besten Spieler der Welt zusammen, kurz vor
Wimbledon
. Die Plätze sind
Grasscourts und somit bestens für Serve and Volley Spiel geeignet. Sie war auch
sehr erfolgreich, verlor aber im Viertelfinale gegen Martina Navratilova. Einige
meiner schönsten Momente verbrachte ich in Eastbourne mit Claudia und wo alles
so locker ist, wo die Spieler sich unter die Zuschauer mischen, in der berühmten
Milchbar Fusciardi’s, dem Buccaneer
Pub, dem Pier und natürlich der Spielerfete.
Wimbledon
In
einigen Jahren würde Claudia einen ihrer größten Erfolge feiern – den Sieg
im Doppel 1987. Bis dahin schied Claudia aber vorzeitig aus, 1981 gegen Barbara
Potter, 1982 im Viertelfinale gegen Tracey Austin, 1983 gegen Martina
Navratilova, 1984 gegen Chris Evert – es waren also alles Topspielerinnen, die
Claudia aufhielten… bis zu dem Tag, als sie gegen Jo Durie (Großbritannien)
spielen musste. Ich war wohl der einzige Brite, der nicht für Jo war (und sie
war auch noch aus meiner Heimatstadt Bristol!). Jo spielte zu dieser Zeit super,
aber trotzdem wurde eigentlich erwartet, dass Claudia gewinnen würde. Jo siegte
jedoch in drei Sätzen… wohl einer dieser “nicht-so-guten” Tage…
Wimbledon
Champion
Na
ja, mit
Wimbledon
1987 war alles vergessen. In
den Singles schied Claudia gegen Chris Evert im Viertelfinale. Das Doppels-Finale
sollte ein unvergesslicher Tag werden, Claudia mit ihrer eingespielten Partnerin
Helena Sukova gegen Betsy Nagelsen und Liz Smilie. Es war ein besonderer Tag und
meine Deutschlandfahne hing von der Tribüne runter (dies war in
Wimbledon
eigentlich nicht erlaubt,
aber
mich
erwischten sie nicht). Ich
erinnere
mich
noch an meine Freudentränen,
als Claudia und
Helena
in die Royal Box gingen, um die Trophäe zu bekommen. Dies war der größte
Augenblick in meiner persönlichen Tennisgeschichte, und jedes Jahr, wenn ich
wieder in Wimbledon bin, berühre ich kurz Claudias Namen auf der Gewinnerliste
um ihr viel Glück zu wünschen (vielleicht ein bisschen verrückt von mir…).
French
Open
Was
das Tennis selbst angeht, sind die French Open mein Lieblingsturnier.
Paris
ist eine wunderschöne Stadt
und voller interessanter Geschichte und Geschichten: die Studentenrevolte, die
üblichen Streiks, und natürlich geschlossene Museen… Claudia und ich wollten
uns einmal die Kunstsammlungen in den Pariser Museen ansehen, an einem der
seltenen tennisfreien Tagen – aber alles war geschlossen. In den 22 Jahren
“meiner” French Open ist schon viel passiert…
In
den Singles-Wettbewerben hatte Claudia zwar nicht immer viel Erfolg, aber hat es
immerhin bis in das Halbfinale 1985 und in das Viertelfinale 1987 (beide gegen
Martina Navratilova) geschafft. Mit Helena Sukova im Doppel war Claudias
Leistung halt immer konsistenter.
Amelia
Island
Nun,
Amelia Island ist nun doch etwas Besonderes, mit ihren schönen Stränden, der
kleinen Stadt Fernandina, mit der Saloon Bar und der Luft des “Alten Südens”.
Es ist eben nicht nur “noch ein Tennisturnier”, sondern auch ein Urlaub (ich
war bisher sieben Mal da). Das Turnier von Hilton Head, einer geschäftigen
Insel in
South Carolina
mit vielen Restaurants,
findet normalerweise eine Woche vorher statt und so hatten wir zwei Wochen von Supertennis. Der aufregendste Moment war 1986, als
Claudia gegen Steffi Graf im Endspiel stand. Es stand 4-6, 7-5 und 5-5 im
dritten Satz, als Peter Graf des “Coachings” beschuldigt wurde und vom
Schiedsrichter Lee Jackson von der Tribüne verwiesen wurde. Steffi had aber
trotzdem gewonnen und man fragt sich natürlich, was hätte passieren können,
wenn das Spiel nicht unterbrochen worden wäre.
USOpen
In
den US Open von 1984-1987 spielte Claudia immer sehr erfolgreich und erreichte
das Viertelfinale und – viel wichtiger – gewann den Doppeltitel mit Helena
Sukova 1985. Ich erinnere
mich
gern an die Tage in
New York
, trotz der schwülen Hitze.

Bob
& Claudia VS Champs
Die
Meisterschaften zum Jahresende in
New York
waren ein fantastisches Ereignis und mein dortiger Besuch 1988 – das
letzte Mal, das Claudia mitspielte – war einfach super, in extralanger
Luxuslimousine, VIP-Empfang und einem “cooleren”
New York
. Claudia verlor gegen Steffi
in drei Sätzen, nachdem sie den zweiten Satz gewonnen hatte und insgesamt ein
besseres Tennis spielte. Aber Steffi gewann die ersten beiden Spiele des dritten
Satzes, was ihr ihr Selbstvertrauen zurückgab, und wieder einmal wiederholte
sich, dass das Endergebnis in einem Steffi-Claudia Spiel nicht wirklich zeigte,
wie knapp das Spiel tatsächlich gewesen war.
Filderstadt
Filderstadt
im Herbst war ein weiteres “Muss” für
mich
und die Gastfreundschaft von
Dieter Fischer, die Parties, die Geschenke und der warme Empfang gehörten dazu.
Mit einigen von damals verbinde ich immer noch eine gute Freundschaft. Besonders
schön waren auch die Bäume im hiesigen Wald. Filderstadt war schon immer ein
schwieriges Turnier für Claudia gewesen, aber nichtsdestotrotz schaffte sie es
ins Viertelfinale (gegen Steffi ausgeschieden) und ins Halbfinale (gegen
Lindqvist ausgeschieden). An dem Tag war ich krank und habe es gerade noch aus
dem Bett geschafft, um mir das Spiel anzusehen – um dann gleich wieder zu Bett
zu gehen. Filderstadt hat aber einen besonderen Platz in meinen Erinnerungen,
weil ich hier Claudia zum ersten Mal richtig kennenlernte.

Birmingham
Champion
1988
schaffte Claudia einen großen Erfolg in
Birmingham
, an einem sonnigen und sehr
windigen Tag gegen den Aufschlag von Pam Shriver (die eigentlich unbesiegbar
war). Claudia hatte immer Probleme mit Wind. Vielleicht hat sie mein Angebot zum
Sieg getrieben, dass ich sie, im Falle einer Niederlage, zu McDonalds einladen würde.
Berühmt wurde Claudias Erfolg allerdings auch dadurch, dass sie die Trophäe (unerlaubterweise)
mit sich nach Eastbourne genommen hatte – in Birmingham wusste man nicht, wo
die Trophäe – aus reinem Silber und zudem die älteste Tennistrophäe der
Welt – abgeblieben war!

Claudia
& Katrin
Claudia
hatte das Glück in einer der größten Epochen des Tennis zu spielen, gegen berühmte
Spielerinnen wie Martina Navratilova und Chris Evert, etwas später auch gegen
Steffi Graf, und vielleicht hätte Claudia noch erfolgreicher sein können, wenn
sie in einer anderen Ära gespielt hätte – aber sie ist immerhin Nr. 4 der
Weltrangliste geworden! In dieser Zeit wurde Damentennis zu einem wichtigen
Zuschauersport. Es war eine Zeit von neuen und interessanten Erfahrungen, und
wenn es auch viel harte Arbeit für die Beteiligten bedeutete, hat es doch auch
Spaß gemacht und Claudia und Katrin waren regelmäßig gemeinsam auf vielen
Turnieren.
Danke,
Claudia
Geoff
Gardner
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Translation
thanks to Nils Langer,
Institute
of
German Linguistics
,
Bristol
University
.
©
Geoff Gardner 2004